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Karlsruhe, d. 22sten May 1804
Wohlgebohrener Herr!
Ihr Schreiben vom 1sten May habe ich den 10ten desselben erhalten, und
weiß die Ehre sehr zu erkennen, die Sie mir durch Ihre Aufmerksamkeit
auf die allemannischen Gedichte und durch die Einladung zu Beyträgen für
den Wiener Musenalmanach erweisen. Wenn ich nicht Ursache gefunden
hätte, schon zwey frühere Einladungen zu ähnlichen Sammlungen, für deren
eine ein Freund von mir sich besonders interessiert, für jetzt noch
abzulehnen, und wenn nicht die nämlichen Ursachen noch vorwalteten, so
würde ich mit dem größten Vergnügen micht beeifern, Ihrem Verlangen und
Ihrer Erwartung zu entsprechen. Viele Geschäfte und unangenehme
Stimmungen, die mit der Art derselben verbunden sind, reichen mir, bis
es anders wird, stumm zu seyn für den Gesang. Ich bin kein geübter und
fruchtbarer Dichter, der kann, wenn er will. Die Muse wohnt nicht bei
mir, sie besucht mich nur, und ich besorge, an ein paar Gedichten, die
ich schon in die Zeis gegeben habe, bereits meinen Beitrag zu den
Beweisen geliefert zu haben, daß kein Segen dabey ist, wenn man's in
böser Stunde erzwingen will. Ich bitte Sie, diese Erklärung nicht
ungünstig anzusehen, und die Versicherung meiner vollkommensten
Hochachtung anzunehmen, mit welcher ich die Ehre habe zu verharren
Euer Wohlgeboren
gehorsamster Diener
Joh. P. Hebel
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