Signet Hebelhaus

Dichterlesung im Hebelhaus

 

Übersicht

Reinhard Seiberlich und Egon Klauser
rezitieren Gedichte von BZ-Lesern

 

 

 

 
Einen passenderen Rahmen hätte man für die Dichterlesung mit Egon Klauser und Reinhard Seiberlich gar nicht finden können als das urige, heimelige Hebelhaus in Hausen. „Ich habe das Gefühl, dass Hebel da oben auf der Wolke sitzt, uns zuschaut und sagt: Das habt ihr gutgemacht...", meinte Robert Bergmann, Redakteur der Badischen Zeitung, der den BZ-„Dichterwettstreit" ins Leben gerufen hat. Zahlreiche BZ-Leserinnen und Leser hatten auf einen entsprechenden Aufruf eigene Gedichte und kleine Texte zum Thema Herbst und Abschied geschickt, die dann in einer Auswahl veröffentlicht wurden.
              Dichterlesung im Hebelhaus - r. Seiberlich und E. Klauser
Bei der Lesung im Hebelhaus sollten die Dichter und Autoren einmal die Gelegenheit haben, ihre Lyrik von gewieften Rezitatoren vorgetragen zu hören. Mit Egon Klauser aus Zell und Reinhard Seiberlich aus Hausen, die beide auch als Schauspieler in der Region bestens bekannt sind, hatte man zwei versierte Sprecher gewonnen. Sie lasen im Wechsel mit gut tragenden Stimmen, Einfühlung und wo nötig auch verschmitztem Humor die verschiedenen Gedichte vor. Dabei übernahm Klauser den „alemannischen" Part, sprich die Mundartgedichte, und Seiberlich die hochdeutschen Texte. Und es war sehr beeindruckend zu hören, wie poetisch, tiefgründig und gefühlvoll sich die Teilnehmer dieses zweiten BZ-Dichterwettbewerbs ihre Gedanken über den Herbst in der Natur, aber auch im Leben gemacht haben. Solche Gedanken über die Vergänglichkeit der Natur reflektieren die „Spötlig"-Gedichte von Günther Wenk aus Maulburg. Auch in dem Herbst-Gedicht von Claudia Kist-Johansen aus Raitbach geht es um den leisen Zauber dieser Zeit, um das Vergehen und das in Blatt vom alten Baum. Sehr berührend klangen auch Kist-Johansens Gedichte über ein Neugeborenes. Eine kürzere alemannische Geschichte von Erwin Jost aus Raitbach erzählte von der alten Tradition der „Wällemacher", die noch Reisig für den Winter machen, und von der heimeligen Wärme der „Chunscht" -„e Seege au in der moderne Zit".

Um Gedanken von Trauer, Tränen, aber auch Hoffnung kreist das Gedicht „Engel weinen nicht" von Fabienne Sprang aus Fahrnau, das bei allem melancholischen Grundklang etwas Seelenvoll-Tröstliches vermittelte. Fast etwas an den Erlkönig erinnerte Sprangs fantastisches Gedicht „Der Tod auf dem feuerroten Pferd". Dass Gedichte auch einen kritischen, mahnenden, sehr nachdenklichen Kern haben können, zeigten die kurzen Gedichte „Angst" und „Apokalypse" von Thomas Schulz aus Wieslet, der auch schon mal in die Abgründe der Welt und der Seele blickt. Eher zum Schmunzeln animierte das köstliche Loblied auf die Kartoffel von Peter Hendrik Paul aus Raich, der in gereimter Form die kulinarischen Genüsse der Knolle preist. Die Gedichte von Andrea Werner und Albert Hanel aus Schopfheim über den Herbst und das Ausklingen des Jahres fanden ebenso aufmerksame Hörer wie das Mundartgedicht von Gretli Vollmer aus Raich, die sich mehr Respekt vor Mensch und Natur wünscht. Auch ein tiefsinniges Gedicht von Ulrike Jäger aus Todtnauberg über das Glück fand langen Nachklang.

Waltraud Bühler bereicherte die Lesung mit eigenen stimmungsvollen und besinnlichen Mundartgedichten über den November mit seinem Nebel, den kahlen Bäumen und dem Hauch von Abschied und über die Adventszeit, die Stille und „Licht in die Herzen" bringt. Auch Kostproben aus Hebels Kalendergeschichten, Gedichte von Gerhard Jung und Liesa Trefzer wurden vorgetragen. Schließlich las BZ-Redakteur Bergmann auf Wunsch der Zuhörer noch ein paar eigene Gedichte, deren lyrische Tiefe großen Eindruck machte. Bei Kaffee, Tee und Gugelhupf fand der BZ-Dichtertreff einen gemütlich-geselligen Ausklang.

 

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        Nach einem Bericht der Badischen Zeitung vom 30. November 2005
                    Original-Text und Foto: Roswitha Frey