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August Babberger ist in Hausen geboren. Seine Ausbildung, seine Prägung
allerdings findet er nicht in Hausen. Auch die Inhalte seiner Malereien
und Grafiken sind nur selten Motive des Wiesentals. Babberger ist als
ein künstlerischer Einzelgänger, mehr aber noch
durch unselige politische Zustände unverdientermaßen zu wenig
bekannt. Hätte dieser Maler eine stärkere Gruppenzugehörigkeit
aufzuweisen, wäre ihm eine ungebrochene Lehr- und Schaffenstätigkeit
vergönnt gewesen, so wäre wohl kaum ein Buch über die süddeutsche
Malerei der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ohne seinen Namen. Aber
auch speziellere Untersuchungen über den deutschen Expressionismus
erwähnen diesen stillen deutschen Expressionisten kaum. Auch ein
Angehöriger der »verschollenen Generation«? Zweifellos besteht für die
Kunstöffentlichkeit ein gewisser Nachholbedarf.
Wie hat August Babberger gelebt? Als Sohn
eines Zimmermanns wurde Babberger am 8. Dezember 1885 in Hausen geboren.
Seine wichtigste Schulzeit erlebte er aber in Basel, wohin seine Eltern
1895 verziehen. In der Realschule fällt seine Begabung früh auf. Später
begibt er sich zu einem Malermeisterin die Lehre. Auf einer anschließenden
Wanderschaft kommt der junge Malergeselle weit herum. Er erreicht Nürnberg
und München. In München versucht er auf die Kunstakademie zu kommen,
scheitert aber. 1908 ist Babberger in Karlsruhe mit Malerarbeiten tätig.
Entscheidend aber ist dort sein Zusammentreffen mit Hans Thoma, dem er
seine Federzeichnungen zeigt. Thoma rät dem 23jährigen in Karlsruhe zu
bleiben und an der dortigen Akademie zu studieren. Babberger besucht die Radierklasse bei Prof. Conz. Im Jahr darauf
erhält er durch Thomas Vermittlung ein Stipendium für die
Internationale Kunstschule in Florenz. Dort
verbringt Babberger zwei Winter, malt
und zeichnet vor allem Akte. In diesen Jahren wird für Babberger
besonders wichtig, daß er neben der künstlerischen Lehre auch die persönliche
Freundschaft des Graubündner Malers Augusto Giacometti
(1877-1947)gewinnt (Nicht zu verwechseln mit dem jüngeren Alberto Giacometti
(1901-1966)!). Nach seiner Heirat mit der
Hinterglasmalerin Anna Maria Tobler aus Luzern übersiedelt Babberger
nach Frankfurt am
Main. 1920 wird Babberger an die unter dem Namen Landeskunstschule neu gegründete Akademie in Karlsruhe als
Professor berufen. 1923-1930 ist er Direktor dieser Akademie. In seiner
Kunst schon in dieser Zeit bei manchen Konservativen ein Stein des Anstoßes, wird er bald nach der Machtergreifung
der Nationalsozialisten mit Erlaß vom 25.7.1933 aus dem Lehramt
entlassen. Eine nicht gerade rühmliche Rolle spielt hierbei sein
Kollege und Landsmann aus dem Wiesental, der in Steinen 1877 geborene
Maler Hans Adolf Bühler. Bühler ist in dieser Zeit Direktor der
Akademie.
Babberger siedelt in die Heimat seiner Frau, die Schweiz, über. Mit noch nicht 51 Jahren verstirbt August
Babberger am 3. September1936 in Altdorf/Kanton Uri an den Folgen einer
Halsoperation.
Aber noch über seinen Tod hinaus verfolgen die
Machthaber in Deutschland den Maler. 1937 werden Bilder Babbergers aus
vielen öffentlichen Museen beschlagnahmt. U.a. entfernt man sie als »entartet« aus folgenden Museen: Städtische Kunsthalle
Mannheim, Kunsthalle Karlsruhe, Folkwang-Museum Essen. Es wird danach
still um ihn und dies hält trotz mehrerer Ausstellungen teilweise
bis heute an!
Die Kunst August Babbergers geht in
der Entwicklung aus von einer großformigen Auffassung der Dinge,
zunächst in der Art florentinischer Frührenaissance, auch der monumental ausgeräumten Expressivität mancher Landschaften
Ferdinand Hodlers. Doch mehr und mehr gelangt Babberger zu einer eigenständigen
Interpretation der Landschaft und des Menschen. Vielleicht ist es
Augusto Giacometti, der dem Künstler dann die schweizerische Alpenwelt
nahe bringt. In der weiteren Entwicklung ist auffallend, daß Babberger,
dem
Kunstbetrieb ferne, seine eigenen Wege geht. Seine Kunst wird in den 20-er und
30-er Jahren immer mehr eine persönliche expressive
Interpretation einerseits
von meist gebirgiger Landschaft, andererseits von Mensch und
menschlicher Gruppe. Interessant dazu sind seine schriftliche
Aufzeichnungen zur Landschaft. Er nennt diese »Wetternotizen«.
Diese Notizen aber sind frei von Meteorologischem, sind eher
Niederschriften eines seinen »ordnenden Gott« in der Natur
aufsuchenden und findenden
menschlichen Geistes. Das Monumental-Bewegte in Babbergers Kunst
ist zwar weniger eine Sache des Formates, doch drängt dieser Künstler
natürlicherweise auch zur Wandgestaltung. Viele Entwürfe für
Wandmalerei, Mosaik und Glasfensterbezeugen dies. Wohl nur ein markantes
Werk seiner Hand ist in der Ausführung erhalten geblieben: Die
Ausmalung der Reformierten Kirche in Wolhusen im Schweizer Kanton
Luzern. Aber auch die figürlichen Darstellungen, besonders auch in
Grafiken, zeigen eine eigentümlich innere Größe des Menschlichen, oft
von einem rhythmischen Gleichklang der Teile durchzogen. Eine mehr
subjektive — gelegentlich pantheistisch anmutende — Frömmigkeit ist
zweifellos der Persönlichkeit Babbergers eigen.
August
Babberger vereinigt Wesenszüge von Demut, Stille und Frömmigkeit mit
Ausdrucksbegehren, großer Form und monumentaler Schärfe in eigenartig-
musikantischer Rhythmik zu einer originären Künstlerpersönlichkeit
voll harmonisierter Widersprüche. |