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Verärgerung in Lörrach wegen
Verleihung des Hebelpreises
"Nur für hochqualifizierte literarische Leistungen
im alemannischen
Kulturraum..."
Die Tatsache, daß die
Landesregierung von Baden‑Württemberg den diesjährigen Hebelpreis am
vergangenen Sonntag an den 75jährigen ehemaligen Chefredakteur und
Ehrenbürger der Hebelgemeinde Hausen, Reinhold Zumtobel, vergeben hat,
hat in Kreisen der südbadischen Hebelgemeinde ein zwiespältiges Echo
gefunden. Maßgebende Vertreter des Hebelbundes in Lörrach, eines der
Hauptträger Hebelschen Gedankengutes, äußerten am Dienstag ihr Bedauern
darüber, daß Kultusminister Dr. Gotthilf Schenkel sowohl die vom
Hebelbund wie die vom Freiburger Regierungspräsidium vorgeschlagenen
Kandidaten ablehnte und den Preis, entgegen seiner Zweckbestimmung, für
eine Leistung gegeben habe, die mehr auf dem Gebiete volkstümlicher
Heimatpflege zu suchen sei.
Der Hebelpreis, betont der Hebelbund, sei ein ausgesprochener
Literaturpreis, der für qualifizierte literarische oder sprachkundliche
Leistungen im alemannischen Kulturraum vorgesehen sei. Durch frühere
Verleihungen an Männer wie Wilhelm Hau[s]enstein, Max Picard und Albert
Schweitzer habe er einen hohen Rang erhalten. Diese Entwicklung sei in
diesem Jahr jäh unterbrochen worden. Die Kritik, erklärt man in Kreisen
der südbadischen Hebelgemeinde, richte sich nicht gegen die Person
Zumtobels, dessen Verdienste um die Heimatpflege bedeutend und
unbestritten seien. Diese Verdienste hätten aber sinnvoller durch die
Verleihung eines ausgesprochenen Heimatpreises oder in Form anderer
Ehrungen herausgestellt werden können. Diese Auffassung machen sich am
Dienstag auch die "Basler Nachrichten" in einem Beitrag aus Freiburg zu
eigen.
Das südbadische Regierungspräsidium hatte, wie nachträglich bekannt
wird, als diesjährigen Kandidaten für den von der früheren badischen
Regierung gestifteten Literaturpreis unter anderen den Hebelbiographen
Wilhelm Zentner (München), den Freiburger Schriftsteller Reinhold
Schneider, der jetzt 50 Jahre alt wurde, und Friedrich Schnack
vorgeschlagen. Diese Vorschläge deckten sich weitgehend mit denen des
badischen Hebelbundes.
Im
Geiste Johann Peter Hebels...
In
der Urkunde, die Reinhold Zumtobel beim Festakt in Hausen überreicht
wurde, heißt es, daß der Kultusminister des Landes BadenWürttemberg dem
Schriftsteller Reinhold Zumtobel in Anerkennung seines volkstümlichen
dichterischen Schaffens und Wirkens im Geist Johann Peter Hebels den
Preis für 1953 verliehen hat.
Ist das so schlimm, wenn einmal ein Mann geehrt wird, der sich durch
volkstümliches Schaffen und Wirken im Geiste Johann Peter Hebels
hochverdient gemacht hat und nicht durch qualifizierte literarische oder
sprachkundliche Leistungen im alemannischen Kulturraum"? Oder ist die
Verstimmung im Lörracher Hebelbund so groß, weil seine Vorschläge dieses
Mal beiseite geschoben wurden, daß er ganz übersehen hat, daß die
geforderten Voraussetzungen beispielsweise auch beim letztjährigen
Hebelpreisträger absolut nicht zutrafen?
"Gott weilte in den Flugzeugen, die 250000 Dresdener vernichteten"
Bei
der Verleihung des Hebelpreises 1952 an Max Picard, wurde auch auf
dessen letztes Buch "Hitler in uns« hingewiesen. Mit einem Wust von
Verzerrungen und Unwahrheiten und hemmungsloser Morgenthau‑Propaganda
wird darin die These von der Kollektivschuld der Deutschen verfochten.
Aber lassen wir den damals Preisgekrönten selbst sprechen:
"Die Deutschen hielten den Frieden nicht aus"
"Das ist charakteristisch für die Deutschen. Zur Zeit Wilhelm II galt
ihnen der Kaiser nicht viel, die Republik schien ihnen viel lieber zu
sein. Als sie aber die Republik hatten, wünschten die einen den Kaiser,
die anderen hofften alles von Hitler oder vom Bolschewismus, und als
endlich Hitler regierte, strebten die gleichen Menschen, die Hitler
gewählt hatten, wieder zurück zur Demokratie oder zum Bolschewismus. Und
wenn man jetzt, nach dem Sturz Hitlers, den Deutschen eine Demokratie
einrichtete, würden sie sofort wieder zu Hitler zurückkehren wollen oder
den Bolschewismus erstreben. In der gleichen Weise dachten manche
Deutsche ‑ und nicht nur die Nazis ‑ in den Friedenszeiten, daß durch einen Krieg
vieles erreicht werden könne, was einem ohne Krieg nicht zuteil werde.
Die meisten aber, und gerade diejenigen, die keine Nazis waren,
dachten gar nicht an etwas Bestimmtes, das durch den Krieg zu erlangen
wäre. Es genügte, daß Frieden war und daß sie eben weil Frieden war, den
Frieden nicht aushielten und deshalb wünschten sie das Gegenteil, den
Krieg."
"Darum ist es falsch dem Pazifismus der Deutschen zu trauen. Die meisten
von den Deutschen, die sich gegen Hitler stellten, taten es nur darum,
weil sie gegen alles sind, was gerade vor ihnen steht, was gerade
gegenwärtig ist."
Gott weilte in den Flugzeugen...
So genügt Picard aber auch der Morgenthau‑Plan, die Deutschen zu einem
Hirtenvolk zu machen, noch nicht, weil die» die Natur mit ihrem bösen
Wesen durchsetzen und sie zerstören." Der Super‑Föderalismus, die
Zerschlagung Deutschlands in viele Zonen und Länder, wird begrüßt. Der
Herrgott führte die Waffen der Alliierten zum Siege, meint er, und
verficht die These, wonach Gott in den 3000
Flugzeugen über Dresden weilte und 250000 Menschen in einer Nacht
vernichtete.
Es ist nichts davon bekannt geworden, daß sich die Kreise, die sich
heute so sehr über die "Entwertung" des Hebelpreises entrüsten, von
diesem, mit Beleidigungen gegen Deutschland erfüllten Buch Picards und
der Verleihung des Preises an den Verfasser in irgendeiner Form
distanziert hätten. Das ist übrigens damals von anderer Seite in
schärfster Form geschehen und die seinerzeitige Verleihung als ein
unerhörter Mißgriff bezeichnet worden. Den Lörracher Hebelfreunden aber
möchten wir gerade bei dem Vergleich der Preisträger 1953 und 1952
empfehlen, auch einem Hebelpreisträger aus der engeren Heimat gegenüber,
etwas mehr von der ‑ oft gepriesenen Hebelschen Toleranz walten zu
lassen.
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