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Reinhold Zumtobel war ein Aufrechter, der auch 1933 seiner religiösen
und politischen Überzeugung treu blieb, während bei so manchem
damaligen Zeitgenossen die weltanschauliche Gratwanderung begann. »Wie
so viele seiner Mitstreiter, die im
Kaiserreich die Sozialistenhatz, später
in der Weimarer Republik die
Diffamierungskampagnen von rechts und in
der braunen Diktatur die Verfolgung
zu überstehen hatten, war der Hausener Zumtobel einer von jenen, die das
andere
Deutschland verkörperten.« (Der Verfasser im MT vom 6.6.1980)
Am 24.
Februar 1878 geboren, wuchs Reinhold Zumtobel in geordneten Verhältnissen
auf, ja die Familie lebte in einem bescheidenen Wohlstand. Mehr und mehr
litt das Familienleben aber unter der Alkoholabhängigkeit des Vaters.
Sie führte zum Ruin der Existenzgrundlage und in anhaltende bittere
Not. Nach dem frühen Ableben der Mutter wurden die Kinder, Zumtobel
hatte vier Geschwister, auseinandergerissen. Reinhold fiel als »Gemeindebub«
der Wohlfahrtspflege der Gemeinde wie man es damals ansah, zur Last. Mit
13 Jahren erhielt er eine Tätigkeit in der Ziegelei, später wurde er
Fabrikarbeiter. Dankbar erinnert sich der spätere Ehrenbürger von
Hausen: »Der Aufstieg vom
Gemeindebub zum Ehrenbürger ist gewiß kein alltäglicher
Vorgang, daß mir durch Gottes Ratschluß dieser Weg vorbehalten war,
ist der bleibenden Erinnerung wert. Kinder, die unter so traurigen Verhältnissen
ohne elterliche Liebe und Pflege aufwachsen, sinken zum großen Teil zum
Bodensatz der Gesellschaft.« Seine persönlichen Erfahrungen bewogen
ihn wohl auch, sich der Bewegung anzuschließen, deren Ziel es war, die
abhängig Arbeitenden von materieller Not und politischer Unmündigkeit
zu befreien. Zumtobel wurde zum führenden Kopf der SPD im Hebeldorf und
darüber hinaus zu einer tragenden Säule im Bezirksverband Schopfheim.
Er schrieb für die sozialdemokratische Presse, er trat als Referent in
den Ortsvereinen des Wiesen- und des Rheintales und im Hotzenwald auf,
die Partei nominierte ihn zum Landtagskandidaten. Die badische SPD
bewirkte offenbar seine Zulassung an der stark besuchten Berliner
Parteischule. Das Ziel dieser Schule bestand darin, begabte junge
Sozialdemokraten für Führungspositionen im Parteiapparat auszubilden
und das notwendige Allgemeinwissen zu vermitteln. Nach erfolgreichem
Examen erhielt Zumtobel einen Ruf an die erste sozialdemokratische
Tageszeitung in Freiburg, die »Volkswacht«. Als hauptverantwortlicher
politischer Schriftleiter der Zeitung für das »werktätige Volk
Oberbadens« prägte er die Entwicklung
dieses bedeutenden Freiburger Blattes maßgeblich. Das
Verbreitungsgebiet der »Volkswacht« reichte bis in das Bezirksamt
Schopfheim. Die journalistische Tagesarbeit brachte manchen Konflikt mit
sich. So wurde der politische Schriftleiter jahrelang mit Prozessen überzogen,
weil er kurz vor dem l. Weltkrieg einen nicht signierten
antimilitaristischen Artikel von Rosa Luxemburg gebracht hatte. Auf dem
1. Reichsrätekongreß in Berlin (16. 12. - 21. 12. 1918) war Zumtobel einer
der badischen Delegierten, nach der innenpolitischen Normalisierung gehörte
er dem Stadtrat von Freiburg bis zum Verbot der SPD im Jahre 1933 an.
Zeitlebens blieb Reinhold Zumtobel seiner Heimatgemeinde und ihrem großen
Sohn Johann Peter Hebel verbunden. So hielt er im Rahmen des 800jährigen
Stadtjubiläums von Freiburg 1920 einen bemerkenswerten Vortrag, in dem
er sich mit Hebel befaßte. Als der Terror von 1933 sein politisches und
journalistisches Wirken in Freiburg beendete, kam er, verfolgt und mit
Berufsverbot belegt, als Landhelfer und als Mitarbeiter an »Feldbergs Töchterlein«,
der Sonntagsbeilage des MT, in die Heimat zurück. Hier übernahm er
auch die redaktionelle Gestaltung des Ortsbuches von G. Behringer. Außerdem
erschienen von Zumtobel »Mit Hebel in der Heimat« und seine
Lebensbeschreibung »Vom Gemeindebub zum Ehrenbürger«. 1949 verlieh
seine Heimatgemeinde ihm das
Ehrenbürgerrecht, ein Jahr später ernannte ihn die Hebelmusik
in »Würdigung der Verdienste um ihre Entwicklung« zum Ehrenmitglied.
Endlich bekam Zumtobel am 10. Mai 1953 aus den Händen des ersten
baden-württembergischen Kultusministers den Hebelpreis. Die südbadische
Regierung dagegen war auf den mehrmaligen Vorschlag der Wiesentäler
Hebelfreunde nie eingegangen.
Eine treffende und schöne
Charakterisierung der Person Zumtobels steht auf
seinem Grabstein: »Ein
Sohn des Volkes wollte er sein und bleiben.«
Das Urteil der
journalistischen Konkurrenz über Zumtobels Hebel-Vortrag von 1920:
»Der
Vortrag des Herrn Stadtrates Zumtobel über des alemannischen Dichters
Persönlichkeit und Werke war von besonderer Art, prachtvoll, frisch und
unzimperlich,
so dass man vom Geiste Hebels einen Hauch verspürte.«
Freiburger Tagblatt, hier nach: Volkswacht vom 8. 10. 1920.
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